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Hochkonzentriert unter den Wolken

Oft erreichen uns Anfragen warum wir an bestimmten Tagen nicht fliegen, obwohl es warm und sonnig wird. So auch das vergangene Wochenende an der Mosel. Temperaturen am Samstag bis 15 Grad, Sonntag bis 18 Grad, Sonne und ein paar Schönwetterwolken. Auf der Suche nach einem Landeplatz
Auf der Suche nach einem Landeplatz

Wir haben Frühling. Die Bäume sind noch weitestgehend kahl, die Nachttemperaturen im einstelligen Bereich. Am Tag hat die Sonne bereits viel Kraft und es erwärmt sich schnell. Das ist auch schon das leidige Problem in der Gleitschirmfliegerei. Die sogenannte Frühjahrsthermik hat es in sich. Auch wenn es Luftlöcher nicht gibt, kann man es damit durchaus vergleichen. Wir starten mit den Gleitschirmen an Hängen, Bergen oder auch manchmal an der Winde im Flachen. Besonders aber die Hänge und Berge werden von der Sonne beschienen und erwärmen sich sehr schnell. Dort entstehen bodennah Warmluftblasen, die sich, wenn sie stark genug sind, ablösen und als thermische Luft aufsteigen. Stellt euch das wie in einem Wasserkocher vor. Erst kommen kleine Bläschen, dann werden sie immer stärker und es fängt so richtig an zu brodeln. So ähnlich ist das auch in der Luft. Diese sind zu mindestens so stark, dass viele Gleitschirmflieger in der Zeit, besonders am Mittag und Nachmittag, dankend auf Flüge verzichten. Zu hoch ist das Risiko von unkontrollierten Flugverhalten ihrer Schirme. So auch am letzten Wochenende. Aus Sicherheitsgründen haben wir daher beschlossen kein Tandem zu fliegen.

Am Horizont ist eine anrückende Wetterfront zu erkennen.
Wetteränderung am Horizont

Trotzdem wollten wir es wissen und sind solo fliegen gegangen. Hier haben wir nur die Verantwortung für uns selbst, nicht für Euch. Und die Soloschirme sind durchaus spritziger und können schneller auf kritische Situationen reagieren. Das war auch nötig. Neben viel Geduld und Startpausen brauchte es eine gehörige Portion Selbstvertrauen und Weitsicht in der Luft um einen "angenehmen" Flug zu haben. An Stellen in der Luft wo es hoch geht, geht es daneben auch wieder runter. Dazwischen ist es oft sehr turbulent. Vergleiche mit Rodeoreiten sind durchaus angebracht. Also nichts für schwache Mägen. Immer wieder sanken wir mit 4-5m/s um danach mit 5-6m/s wieder nach oben katapultiert zu werden. Luft hat je bekanntlich keine Balken, tut also nicht sonderlich weh. Kritisch ist aber dann immer wieder der Start und die Landephase. Hier können geringste Störungen bereits fatale Folgen haben.
Vor dem Start haben wir bereits die anderen Piloten beobachtet und waren uns einig, genau die richtige Entscheidung getroffen zu haben, kein Tandem fliegen zu gehen. Selbst in der Luft bestätigte sich diese Entscheidung wiederholt. Nach der Landung steht man oft mit den anderen Piloten im Austausch, berichtet über seine Erlebnisse. Selbst gestandene Piloten hatten keine Lust mehr auf die Schaukelei. Mehrere Stunden hochkonzentriert fliegen, im Sekundentakt auf Störungen reagieren, fordert ein sehr hohes Maß an Konzentration. Auch die ersten Vorboten des sich in dieser Woche verschlechterndes Wetters zeigten sich bereits. Neben der sehr aktiven Thermik, stieg auch immer wieder die Windgeschwindigkeit so stark an, dass wir in der Luft "standen". An ein Vorwärtskommen war dann nicht mehr zu denken. Besonders kritisch ist das, wenn man dann keine großartige Wahl des Landeplatzes mehr hat. Man muss nehmen was gerade unter einem ist. Kuhweiden, Vorgärten oder Wanderwege werden dann ganz schnell zu einem unfreiwilligen Landeplatz. 


Turbulentes Fliegen über der Mosel
Konzentriert unter den Wolken

In den nächsten Wochen wird sich die Luft beruhigen und dann sind auch wieder genußvolle Flüge mit guten Höhen möglich. Wir beobachten jeden Tag das Wetter und seine Entwicklungen. Sobald es dieses zulässt, sind wir auch wieder mit den Tandems am Start und freuen uns Euch die Welt von oben zeigen zu dürfen.

Kommentare  

# Starker 2019-04-08 13:46
Ein Fliegerkollege hat genau so eine Situation am vergangen Wochenende gefilmt, wie wir sie 2km weiter zur gleichen Zeit in der Luft erlebt haben. Hier gehts zum Video: https://youtu.be/kRXorrX4uMI
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